Nordkurier vom 10.06.2024

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Nordkurier vom 02.04.2015

Journalist Susanne Schulz. Anmerkung von Dirk Löwe zum Abschnitt MPU:

Das MPU-Gutachten kann zur Klärung von Alkohol-Drogen-Punkten-Straftaten-Fragestellungen

der Führerscheinbehörde verlangt werden. Siehe Fahrerlaubnisverordnung.

verordnungNordkurier vom 02.04.1993

 

 

 

Presseartikel


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Dirk Löwe erklärt mit Hilfe von Magnetautos, wie sich Autofahrer bei verengter Fahrbahn verhalten müssen. Foto Matthias Lanin.

Führerschein: Die Fallen der Prüfung, Quelle: SVZ vom 19.01.2013
Krummes Denken für die eigene Fahrerlaubnis, Quelle Nordkurier von 21.01.2013

Von: Matthias Lanin Jahr für Jahr mühen sich 1,6 Millionen Deutsche durch die Theorie der Fahrerlaubnisprüfung. Oft vergeblich. 29 Prozent der Schüler brauchen mehr als einen Anlauf, um die Prüfung zu schaffen. Warum? Vielleicht weil kaum ein europäisches Land so viele Regeln und Schilder für die Prüflinge parat hat wie Deutschland. Und wohl auch, weil kaum eine Prüfung so von den Launen der Sprache abhängt wie die theoretische Führerscheinprüfung.

Dominik ist 16 Jahre alt, Schüler. Sein Papa hat ihn in die Fahrschule von Dirk Löwe am Neubrandenburger Friedrich-Engels-Ring geschickt. Der hatte vor 20 Jahren auch bei Dirk Löwe seinen Busführerschein gemacht. "Mundpropaganda", sagt der 47-jährige Fahrlehrer.

Der zweite Schüler an diesem Abend ist David, mit 21 Jahren der Älteste am Tisch. Er lebt in Pragsdorf (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) und hat schon einen langen Tag hinter sich. Er ist Kellner mit wenig Trinkgeld und viel Gerenne. Warum macht er erst jetzt die Fahrerlaubnis? "Weil ich keine Kohle hatte, bisher. Ich musste mir das Geld erst zusammenkratzen", sagt David, der nun 800 Euro gespart hat. "Knapp kalkuliert", ruft Dirk Löwe dazwischen. Die wenigsten würden mit dieser Summe auskommen. "Im Durchschnitt kostet ein Führerschein heute 800 bis 1500 Euro, je nachdem wie oft man die Prüfung wiederholen muss oder wie viele Stunden man braucht", sagt der Neubrandenburger.

Im Seminarraum, der sich im Keller einer alten Villa befindet, stehen Aufsteller mit Motorteilen, mit Vorführgetrieben. An einer Seite ragt die Front einer Limousine aus der Wand, an der man Abblend- und Fernlicht sehen kann. Die ganze Wand ist mit Lehrkarten, Armaturen, Schildern und Flipcharts behängt. Dirk Löwe, der pro Jahr mindestens 50 Schüler auf dem Weg zur Fahrerlaubnis begleitet, erklärt die Grundregel der Straßenverkehrsordnung: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme", heißt es in Paragraf 1, Absatz 1. Dann nennt er eine Seite aus dem Buch mit den Fragebögen. Rascheln, dann kreuzen die Schüler an. "Die Bücher werden Jahr für Jahr dicker, daran kann man erkennen, dass die Theorie immer schwerer wird", sagt Dirk Löwe. Trotzdem fällt bei ihm nur jeder fünfte Schüler durch den Test. Eine Zahl, auf die er stolz ist.

Insgesamt gibt es mehr als 1000 Multiple-Choice-Fragen, also Fragen, bei denen mehrere Antworten richtig sein können - aber nicht müssen. Zudem ähneln sich viele Fragen, vor allem aber haben sie ähnliche Tücken. "Was wir hier ausbilden, ist zu einem Drittel das korrekte Verhalten im Straßenverkehr, zu zwei Dritteln ist es Sprachtraining", sagt der Neubrandenburger. Und so macht auch David gleich bei der ersten Frage seinen ersten Fehler. "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme. Was bedeutet das für Sie?" David hat richtig angekreuzt, dass er mit dem Fehlverhalten anderer rechnen und dass er vorausschauend fahren muss. "Aber du willst in jedem Fall auf deinem Vorfahrtsrecht bestehen?", fragt Dirk Löwe ungläubig. Der 21-Jährige nickt verstehend. Natürlich nicht. In den Fragebögen zum Fahrschulunterricht kann man ein, zwei oder drei Kreuze oder keines machen. Wie viele es bei der einzelnen Frage sein müssen, weiß der Prüfling nicht. Fahrlehrer Löwe zeigt mit den Händen Straßenverläufe in die Luft und geht mit seinen Schülern - allerdings nur in deren Fantasie - raus auf die Straße. Dort fährt David in seinem neuen Cabrio durch die Stadt, und vorn an der Kreuzung geht ein Mütterchen mit Rollator über die Straße. David bremst nicht und er weicht nicht aus. "Denn David, der hat Vorfahrt", sagt Dirk Löwe. Der Pragsdorfer winkt ab. "Schon klar, nicht in jedem Fall", sagt er mit Blick auf die Frage, ob er in jedem Fall auf sein Vorfahrtsrecht bestehen wird. Der Fahrlehrer formuliert einen der wichtigsten Hinweise des Abends: "Immer, wenn in den Fragen immer, niemals oder in jedem Fall auftaucht, dann müsst ihr skeptisch werden." Nächste Frage: "Was versteht man unter defensivem Fahren?" Tom, der dritte Schüler in diesem Kurs, kreuzt zwei richtige Möglichkeiten an: nicht auf seinem Recht bestehen und mit den Fehlern anderer rechnen. Er macht aber auch ein Kreuz bei der Antwort, vorsorglich an jeder Kreuzung anzuhalten. Ein skeptischer Blick. "Du fährst an eine Ampel, die auf Grün steht. Hältst du dann wirklich vorsorglich an?", fragt Dirk Löwe. "Natürlich nicht", antwortet der 16-Jährige. Das Wörtchen "jede" hätte ihn skeptisch machen müssen. So krumm, wie die Fragen gestellt sind, kann aber manch einer nicht denken.

Die größte Angst haben Fahrschüler aber nach eigenen Angaben vor den praktischen Prüfungen, weil das Wiederholen der Theorieprüfung nur 20,83 Euro kostet. Bei einer missratenen Praxis kommen zur Prüfungsgebühr von 85 Euro meist weitere Übungsstunden hinzu. "Die Theorie muss man nur durchhalten", sagt David und zeigt ein Lächeln, das nahtlos in ein Gähnen übergeht. Er hat einen Arbeitstag hinter sich so wie die anderen ihre Schultage.


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NK Artikel zur MPUBücher:MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN, VWM Verlag